Tagestour ans Ende der Ressel

Ein Bericht von Pedro Balordi

Letztes Frühjahr wollten Sebastian Kuster und ich in den Siphon 6 tauchen und den Südgang anschauen. Markus Schafheutle hat mir von diesem Gang erzählt und uns gebeten, sollte es klappen diesen noch unerforschten Gang zu vermessen. Da es mich schon immer gereizt hatte, weiter zu gehen als bis zur „obligatorischen Biwak-Halle“, freute ich mich auf den Tauchgang. Leider mussten wir diesen aber kurz vor dem Auftauchen im S1 wegen technischen Problemen bei Sebastians Kreisel abbrechen.

Kurz darauf erforschten Rick & John genau diesen Gang bis zum nicht mehr passierbaren Ende. Für diese Exploration haben sie zweimal in der Höhle übernachtet. So wie es aussah, war die Ressel also nun fertig erforscht. Trotzdem reizte mich die Ressel immer noch und ich wollte unbedingt wenigstens einmal bis an ihr Ende tauchen und einen Blick in den Südgang werfen. Irgendwie klappte es nie mit der Zeit oder mit verfügbaren Tauchpartnern. Da bald aber wieder unsere Projekte in der „Sorgente Bossi“ und in der „Covol die Veci“ beginnen, packte ich kurzerhand mein Gerödel zusammen und beschloss alleine nach Frankreich zu fahren.

Am Freitag, den 17. August ging es in der Früh los. Nach der Ankunft in Marcilhac-sur-Célé ging es gleich an die Ressel um zu schauen ob es Taucher vor Ort hat, die mir etwas über die Bedingungen sagen könnten. Fazit: Wasserstand in der Célé gut und Sicht in der Ressel bis zum grossen Schacht sehr trüb.

Am Samstag ging es dann recht früh los. Zunächst galt es natürlich, das Tauchmaterial runter zur Célé tragen. Um genau 08:14 Uhr tauche ich in der Ressel ab und drücke den Trigger des Bonex Discovery RS. Mit viel Schub und mit super Sicht ab dem Schacht fetze ich den Gang entlang. Beim Aufsteigen im S1 sehe ich links auf etwa -34 Meter einen Scooter liegen mit der Beschriftung „MAX“. Aha, anscheinend treffe ich andere Taucher in der Biwakhalle an…

Bereits nach 54 Minuten bin ich auf dem 6 Meter Stopp des S1. Da bis jetzt alles absolut problemlos gelaufen ist, beschliesse ich nun kurzerhand alle anderen Stellen abzutauchen. Diese sind der „Lac Isler“ und der „Lac Boulder“. Anschliessend geht es in die Biwak Halle. Zum Glück ist der Wasserstand gut und ich kann die „Schikanne“ langsam durchscootern. Und wieder danke ich Fritz…

Nach 120 Minuten tauche ich in der Biwak-Halle auf und deponiere alles Material im Topf. Kein Mensch antwortet auf meine Rufe. Mit dem Gerät auf dem Rücken steige ich aus dem Wasser und setze mich mal auf den ersten grösseren Fels hin. Nun kommt der heikelste Moment, kann man die Luft gut atmen? Ja man kann, aber für einen 100 Meter Sprint reicht der Sauerstoffgehalt wohl nicht….

Trotzdem gehe ich direkt im Anzug und mit dem Gerät am Rücken zum Siphon 4. Dort deponiere ich das Gerät am Wasser und gehe zurück. Nun ziehe ich den Anzug aus und muss feststellen, dass das rechte Bein total abgesoffen ist. Da ich aber keinerlei Kälteprobleme hatte, hält mich das noch nicht auf. Also ziehe ich die Neoprensocken und die Sandalen an, die ich in einem Schleifsack unten an meinem KISS mit Snoopy-loops befestigt hatte. In Unterhosen und T-Shirt, trage ich nun das restliche Material zum S4. Zurück im S3 bleibt nur der Bonex, mit dem ich reingescootert bin.

Nun wieder den Anzug anziehen und ab die Post. S4 ist so kurz, dass man ihn fast gar nicht bemerkt. Dann kommt der lange See den ich meistens an der Oberfläche durchscootere. Nach ca. 8 Minuten sind S4 & S5 durchquert und ich tauche in dem Ressel-Dom auf. Wieder im Anzug und mit dem Gerät am Rücken geht es nun den steileren Hang als vorher hinauf und auf der anderen Seite des Doms ziemlich steil wieder runter. Hier ist ziemliche Vorsicht angesagt. Gerät am Wasser deponiert und das gleiche Spiel wie vorher. Nun bleibt die Trockenröhre zurück. Zuerst verzehre ich aber einen der Energieriegel den ich mitgebracht habe. Anzug anziehen und ab geht’s.

Bereits nach kurzer Zeit sehe ich den Nordwärts abgehenden Gang und werfe einen kurzen Blick rein. Dann geht’s mit Vollgas weiter. Wer unbedingt nur an ganzen Leinen nachtauchen will, sollte spätestens jetzt umkehren. Seit dem Auftauchen im S1 ab etwa -50 Meter ist es nur noch ein vereinzeltes Leinenfragment-Hüpfen… aber mit Kreisel, no flow und 20 Meter+ Sicht, stellt dies kein Problem dar. Dann kommt die Abzweigung wo es rechts zur Kredit-Halle geht und links schräg in den Südgang. Zuerst gehe ich in die Kredit-Halle und schau mich bisschen um. Da ich nur eine 2Lt Argonflasche dabei habe, beschliesse ich hier nicht aufzutauchen und scootere wieder zurück zum Abzweiger in den Südgang. Am Boden liegt ein leeres Reel. Tja, Altmetall hat eigentlich nichts in einer Höhle verloren meine Herren…

Da ich keine abgehende Leine sehe aber viel Lehm, sehr, sehr viel Lehm, befestige ich einen Pfeil an der Leine zum Ausgang und daran mein Reel. Langsam schwimme ich den Lehmhang hoch. Die Decke kommt immer mehr herunter und die Sicht trübt unweigerlich ein. Dann geht die Decke wieder höher aber kurz danach hat es am Boden viele Platten die den Gang etwa 1 Meter hoch verengen. Langsam zwänge ich mich mit Kratzen am Rücken und Bauch über die Platten. Obwohl es in der Ferne gut weiter geht, beschliesse ich nach einem Blick zurück, wieder umzukehren. Bei fast Nullsicht reele ich mich zum Pfeil. Eigentlich wollte ich ja ans Ende des Südgangs. Mit abgesoffenem Bein, mittlerweile wurde es doch kühler, und dem Wissen, dass Rick & John etwas von Sidemount und gefährlichen Versturz am Ende des Ganges erzählt hatten, hänge ich das Reel an die Seite und scootere zurück.

Nach 75 Minuten bin ich schon wieder zurück im Ressel Dom. Alles wie gehabt. Nun mache ich noch ein paar Fotos, bevor ich wieder zurück in die Biwak-Halle scootere. Diesmal bin ich bereits nach 5 Minuten durch beide Siphons und kurz darauf wieder in der Auftauchstelle des S4. Dito.

Zufrieden mache ich mich im S3 fertig. Leicht verwundert, dass ich den „MAX“ nirgends angetroffen habe. Aber wie mir ein Freund im nachhinein erzählte, lag der Scooter schon im Juni da……

Also wahrscheinlich abgesoffen oder sonst defekt. Scheint, als würde die Ressel wird langsam zugemüllt. Zum Glück muss ich dies mit meinen Bonex-Scootern nicht befürchten.

Da ich den „alten“ Rekord mit den Silent-Magnus Scootern von vorletztem Jahr knacken will, beschliesse ich Vollgas zu geben
Also abgetaucht und mit halber Fahrt durch S3, Schikane und S2 bis es tiefer geht. Ab der letzten Abzweigung gehe ich auf Vollgas und gehe nicht mehr vom Trigger. Den Scooter von MAX rechts liegen gelassen fetze ich den Gang entlang bis zum Schacht und mit Vollgas hinunter. Hammerhart geil! Mit kontinuierlichem Druckausgleich komme ich in den horizontalen Gang und fliege der Leine entlang.

Nach 39 Minuten bin ich bereits im Schacht auf 30 Meter und sitze meinen ersten Dekostopp ab. Leicht schmunzelnd da ich weiss, dass ich den Rekord gebrochen habe….
Nach 74 Minuten tauche ich in der Ressel wieder auf. Auf die Minute genau nach 10 Stunden erblicke ich wieder die Sonne. Diese Zeit sollen die Jungs aus Italien mit ihren „weltbesten“ Scootern mal nachmachen….

GO FAST – GO BONEX

Nun heisst es ohne „Sherpas“ alles Material wieder ins Auto hochtragen. Bei immer noch etwa 34° ein ziemlich heisses Vergnügen. Dafür trocknet das Zeug fast während dem Transport. Nach einer kurzen Nachtruhe befinde ich mich früh am nächsten Morgen dann auch schon wieder auf dem Heimweg. Der Tag in der Ressel war anstrengend. Aber jedes Kilo, das ich alleine zwischen den Siphons schleppen musste, haben die wunderschönen Höhlengänge längstens wieder wettgemacht. Durch diese Gänge mit dem Scooter zu fliegen ist ein einmaliges Erlebnis.

Tauchdistanz / +- Scooterdistanz: 8’780 Meter (ohne Südgang)
Tauchzeit / +- Scooterzeit: 4 Std 43 Min (mit Deko)
Aufenthalt in Biwak Halle & Ressel Dom: 5 Std 17 Min

Siphon 3 – river Célé

Tauchequipment
Rückengerät: KISS 14/69
Bailout: SMIR-01 14/68
Argon: 2 Lt Stahlflasche
Anzug: Otter Trilaminat mit Nasshandschuhen
Scooter: 2 x Bonex Discovery RS
Dry Tube mit 3Kg Kalk (nicht gebraucht), Apotheke, Kamera, Flickzeug, Nasenspray (viel gebraucht), Energieriegel, Gatorade

Gasverbrauch
KISS: Diluent 85 Bar / 3 Lt (290 Bar), Sauerstoff: 110 Bar / 3Lt (245 Bar)
Argon: 255 Bar / 2 Lt Stahl (290 Bar)
SMIR-01: Diluent: 90 Bar / 1,7Lt (290 Bar), Sauerstoff: 0 Bar / 1,7 Lt (280 Bar)

© Bilder: Pedro Balordi, mit freundlicher Genehmigung